(2011)

SR-INTERNATIONAL-OFFICE ® 

Margarete Sorg-Rose
KOMPONISTIN und AUTORIN / COMPOSER and AUTHOR 

Anthologie politischer Gedanken




Ut omnes unum sint*

oder

Wir brauchen Brücken, keine Mauern


Eine Anthologie politischer Gedanken,

gesammelt von

Margarete Sorg-Rose


(44 Kurztexte)



*Johannes-Evangelium 17,21 / Unter dem Leitwort "Ut omnes unum sint - Dass alle eins seien" wurde die Universität Mainz im Jahre 1946 als Johannes Gutenberg-Universität feierlich wiedereröffnet: „'Ut omnes unum sint', dieser Satz aus dem Johannes-Evangelium prangte über dem Eingang unter dem Turmbau der Flakkaserne [sic], just unter der Stelle, an der vordem ein Abwehrgeschütz gestanden hatte. Mit dem Wunsch, daß [sic] alle 'eins' sein sollten, die hier eintraten und eintreten würden, sollten auch die geistigen Abwehrkräfte mobilisiert werden. Es sollten keine uniformierten Denkweisen in Gleichschaltung wie bisher, sonder die vielfältigen individuellen und gruppenmäßigen Haltungen geweckt werden. Gleichwohl sollten sie in den bindenden Wertvorstellungen gebündelt und damit eins sein: denen des christlichen Abendlandes und der auf die Freiheit gegründeten Humanität.“ (Karl Holzamer)

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Vorwort 1


Diese Sammlung möchte Gedanken hauptsächlich zeitgenössischer Autoren präsentieren, die im Sinne von solidarischem Respekt,

kommunikativer Toleranz und Versöhnlichkeit, auch unter Berücksichtigung des Aspekts "Gegen Gewalt, Hass und Krieg" gesellschaftlich Stellung beziehen. Sie möge mit dazu beitragen, Menschen in ihren gegensätzlichen politischen und konfessionellen Positionen in Gespräche miteinander zu führen, um - gemeinsam - verbindende humane Lösungen zu finden.

In diesem Zusammenhang bedanke ich mich herzlich bei den Autoren, die unter diesen Aspekten eigens für diese Anthologie einen Kurzbeitrag geschrieben oder eingereicht haben. 


Vorwort 2


Altes Testament/Psalm 69,3-5:


Ich bin versunken in tiefem Schlamm,

wo kein Grund ist;

ich bin in Wassertiefen geraten,

und die Flut schwillt über mich her.

Ich bin müde von meinem Rufen,

vertrocknet ist meine Kehle.

Meine Augen verzehren sich

im Harren auf meinen Gott.

Derer, die mich ohne Ursache hassen,

sind mehr als der Haare auf meinem Haupte.


Margarete Sorg-Rose 

Dezember 2012  / Januar 2018 (Letzte Aktualisierung / Erweiterung der Anthologie)

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Völkermühle Europas


In dem Theaterstück "Des Teufels General" (1946) von Carl Zuckmayer kommt es zu einem Gespräch zwischen der Hauptfigur Luftwaffengeneral Harras und Fliegerleutnant Hartmann, als sich Hartmann über seinen "Ariernachweis"  Gedanken macht, da seine Verlobte wegen einer Unklarheit in seinem Stammbaum die Verlobung gelöst hat, denn eine seiner Urgroßmütter scheint aus dem Ausland gekommen zu sein, während seine übrige Familie aus dem Rheinland stammt. Harras entgegnet ihm:


Na, und was wissen Sie denn über die Seitensprünge der Frau Ururgroßmutter? Die hat doch sicher keinen Ariernachweis verlangt ...

was kann da nicht alles vorgekommen sein in einer alten Familie. Vom Rhein – noch dazu. Vom Rhein. Von der großen Völkermühle. Von der Kelter Europas! Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schau-spieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald, und – ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann – und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost.

Carl Zuckmayer

(1896 - 1977; deutscher Schriftsteller)

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... Man sollte verkünden, dass es kein Problem ist, ob man Atheist oder Moslem oder Katholik oder Buddhist oder Agnostiker ist. Das Gegenteil führt unweigerlich zu Kriegen, denn so grenzt man den, der anders ist, als Feind aus, den es zu bekämpfen gilt ... Kultur und Religion sollten der Ausdruck der individuellen Seele sein.

... Werte wie Toleranz sollten entwickelt werden, der Gedanke, dass es Raum für alle sowohl in der Religion wie auch in der Politik und in der Kultur gibt, dass niemand uns seine Weltsicht aufzwingen darf. Wie Jesus gesagt hat: "Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen." 

Es gibt keinen Grund, uns zu zwingen, alle in einer Wohnung oder mit denselben Vorstellungen zu leben. Der Reichtum liegt in der Vielfalt, der Unterschiedlichkeit. Sonst ist es Faschismus. Mit dem Fundamentalismus kehren wir zum tiefsten Obskurantismus der Vergangenheit zurück.

Paulo Coelho

(geb. 1947; brasilianischer Schriftsteller)

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Es gibt nur eine falsche Sicht der Dinge: der Glaube, meine Sicht sei die einzig richtige.

Nagarjuna

(ca. 2. Jahrhundert; indischer Philosoph)

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Respekt, das bedeutet: Rückschau halten, Rücksicht nehmen. Wer andere respektiert, der bezieht die Bedürfnisse und Interessen anderer in sein eigenes Handeln ein und wagt einen Blick auf seine eigene Wirkung auf andere.  Mit dem Finger an der eigenen Nase und nicht erhobenem Zeigefinger auf andere deutend. Wer sich und anderen das Leben erleichtern will, der interessiert sich für seine Mitmenschen. Der stellt Fragen anstatt auf alles eine Antwort zu haben. Der zieht in Erwägung, dass der andere einen anderen Blick auf die Welt hat, als man selbst. Der wartet nicht darauf, dass andere einem mit Respekt begegnen, sondern fängt selbst an. Zuvorkommend nannte man das in früheren Zeiten. Respekt, Höflichkeit und Wertschätzung sind nicht das Ergebnis auswendig zu lernender Regeln, sondern das Ergebnis eines gebildeten Herzens. Herzensbildung, das ist ein Prozess des Strebens. Des Strebens aufmerksamer dafür zu werden, was Situationen und Menschen mir als Mensch sagen wollen. Welches Denken und Verhalten sie nahelegen, um sich das Leben nicht gegenseitig zur Hölle zu machen. Herzensbildung ist eine Haltung, die es uns erlaubt, zuvorkommend und wohlwollend miteinander umzugehen. Ein Habitus, der sich auf die einfache, aber nicht immer leicht umzusetzende Formel bringen lässt: "Höchste Ansprüche an sich selbst bei größtmöglicher Toleranz anderen gegenüber." Herzensbildung, das ist die innere Freiheit, sich offen seinem eigenen Beitrag zum Misslingen einer zwischenmenschlichen Begegnung zu stellen und ohne Scheuklappen über alle Möglichkeiten nachzudenken, den gemeinsamen Umgang zu bereichern. Wer so denkt und handelt, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst, der ist auf einem guten Weg. Fehler inbegriffen. Oder um es mit dem koreanischen Künstler Nam June Pauk zu sagen: "When too perfect, lieber Gott böse."


Moritz Freiherr Knigge 

(geb. 1968; dt. Berater für Umgangsformen)

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Wer aber einen Teil der Bürger begünstigt und einen andern vernachlässigt, schleppt das verderbliche Übel in das Gemeinschaftswesen ein.

Marcus Tullius Cicero 

(106 - 43 v. Chr.; röm. Politiker, Schriftsteller, Philosoph)

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"Wer von euch abends mit vollem Magen ins Bett geht, während sein Nachbar hungrig einschläft ... der gehört nicht zu uns."

(Überlieferung Hadith von Mohammed sav.)


Unser Prophet unterscheidet bei diesem Satz nicht zwischen jüdischen, christlichen und muslimischen Nachbarn. Allein dadurch, dass ein Mensch Tür an Tür oder Wand an Wand mit mir lebt, hat er einen Anspruch darauf, dass ich mich um ihn kümmere. Wir tragen Verantwortung für unsere Mitmenschen! Nicht nur der Dienst an Gott ist wichtig, sondern auch unser Umgang mit unseren Mitmenschen. Ob es im Christentum Nächstenliebe heißt oder im Islam Geschwisterliebe, weil wir alle von Adam und Eva abstammen, ist nebensächlich. Als Khalifen (Stellvertreter Gottes auf Erden) tragen wir Verantwortung für diese Welt. Die verschiedenen Religionen sind alle Wege zu Gott. Im Koran heißt es: "Von Gott kommen wir und zu ihm kehren wir alle zurück."

Zehra Yilmaz M.A.

(geb. 1964; Leiterin der Bildungs- und Begegnungsstätte Moschee Duisburg)

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Auch in einem muslimischen Land wie der Türkei gibt es Streit um das Kopftuch. 

"Für mich ist es unvereinbar mit dem Islam, eine Frau zu irgendetwas zu zwingen. Das ist meine Haltung zum Kopftuchzwang in Saudi-Arabien und im Iran. Aber es widerspricht auch den Menschenrechten, Frauen dazu zu zwingen, es abzunehmen ..."


Verstehen Sie, warum sich junge Deutsche einer Terrorzelle anschließen, um im Namen des Islams zu töten?

"Ihr Verständnis des Islams baut darauf auf, Nichtmuslime zu bekämpfen und vermeintliche Unterdrücker zu töten. Man muss diese Ideologien bekämpfen. Wir tun dies, indem wir sagen: Diese Überzeugungen und diese Taten sind nicht islamisch. Natürlich gibt es Ungerechtigkeiten ... Widerstand dagegen ist legitim. Aber Widerstand heiligt nicht alle Mittel. Sie müssen ethisch vertretbar sein."


Tariq Ramadan

(geb. 1962; Philosoph, Islamwissenschaftler)

im Gespräch

(Auszug / Interwiew: Daniel Bax, Cigdem Akyol/taz.de 2007)

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Im 21. Jahrhundert erscheint nicht der Islam, die Weltreligion, sondern seine radikale Ausformung, der Islamismus, als globales intolerantes Monster - so sagen viele. Kann man so differenzieren? Ist das nicht übertrieben? Lassen wir uns in der Beurteilung dieser Religion zu stark blenden von dem entsetzlichen Anschlag des 11. September? Es ist zu befürchten, dass nach der Überwindung des Nationalsozialismus und des Kommunismus eine neue totalitäre Ideologie entsteht, deren Anhänger nicht nur in den Vereinigten Staaten längst Fuß gefasst haben, wie der Terroranschlag am 11. September bewiesen hat, sondern auch in Europa ...

Die Konsequenz aus dieser Befürchtung muss für den Westen darin bestehen, die demokratischen, friedlichen, zum toleranten Zusammenleben mit anderen Religionen bereiten Muslime zu stärken. 

Heiner Geißler

(1930 - 2017; Politiker, Philosoph, Autor)

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Ich bin ein Jude, wenn Synagogen angegriffen werden, ich bin ein Christ, wenn Christen beispielsweise im Irak verfolgt werden, und ich bin ein Moslem, wenn Brandsätze auf ihre Gotteshäuser geworfen werden.

Aiman Mazyek

(geb. 1969; deutscher Medienberater und 

Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland)

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Wer einen Menschen tötet, tötet die ganze Menschheit

                                                                                                    Koran, Sure 5,32

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Die Maske des Bösen


An meiner Wand hängt ein japanisches Holzwerk

Maske eines bösen Dämons, bemalt mit Goldlack.

Mitfühlend sehe ich

Die geschwollenen Stirnadern, andeutend

Wie anstrengend es ist, böse zu sein.


Berthold Brecht

(1898 - 1956; dt. Dramatiker und Lyriker)

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So scheide ich, nachdem ihr mich zum Tode verurteilt habt. Ihr aber geht hin und seid gezeichnet für alle Zeiten mit dem Brandmal der

Boshaftigkeit und der Ungerechtigkeit. Wenn ihr glaubt, dadurch, dass ihr einen Menschen tötet, auch die Wahrheit töten und verhindern zu können, so denkt ihr falsch.

Platon

(428/427 - 348/347 v. Chr.; griechischer Philosoph)

Apologie (Verteidigungsrede) des Sokrates

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... Natürlich können alle großen Weltreligionen mit ihrer Betonung der Liebe, des Mitgefühls, der Geduld, der Toleranz und der Versöhnlichkeit innere Werte fördern, und das tun sie auch. Aber angesichts der Realität unserer heutigen Welt ist es nicht mehr angemessen, die Ethik auf die Religion zu gründen. Darum ist es, glaube ich, an der Zeit, unserem Verständnis von Spiritualität und Ethik einen neuen Weg jenseits der Religion zu eröffnen ...

... werden wir zwar ohne Religion geboren, aber nicht ohne das Grundbedürfnis nach Mitgefühl. Wesentlicher als die Religion ist daher unsere elementare menschliche Spiritualität. Wir weisen eine in uns Menschen angelegte Neigung zur Liebe, Güte und Zuneigung auf, und zwar unabhängig davon, ob wir einer Religion angehören oder nicht ... 

... Wenn wir glauben, dass die menschliche Natur vor allen Dingen zur Güte neigt und von dem Wunsch nach einem menschlichen Leben bestimmt wird, können wir Ethik als vollkommen natürliches und rationales Mittel zur Verwirklichung unseres angeborenen Potentials begreifen. Aus dieser Perspektive besteht Ethik weniger aus Regeln und Vorschriften, die es zu befolgen gilt, als vielmehr aus Prinzipien für eine innere Selbstkontrolle zur Förderung jener Aspekte unseres Wesens, die wir als förderlich für unser eigenes Wohl und für das unserer Mitmenschen erkannt haben .

14. Dalai Lama

(geb. 1935)

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Die Schauspielerei ist ein kreativer Prozess. Um den herstellen zu können, braucht es Freiheit, Vertrauen, Abenteuer, Magie, Weisheit, Empathie, tief empfundene Gefühle, Leidenschaft, Mut, Selbsterkenntnis, die Fähigkeit, Zugang zu seinem Inneren zu finden, die Fähigkeit sich selbst positiv motivieren zu können, was dann wiederum positive Energie freisetzt. Ich betreibe die Schauspielerei ja nicht nur für mich selbst. Diese Art von Narzissmus ist mir völlig fremd. Ich bin Schauspieler, um etwas aufzuzeigen, etwas zu veranschaulichen, etwas zu erzählen, was für andere Menschen vielleicht nützlich sein kann. Zusammen mit meinen Schauspieler-Kollegen versuchen wir, kollektiv etwas zum besseren Verständnis des Welt, des Lebens, der Menschen auf diesem Planeten beizutragen.

Richard Gere

(geb. 1949; US-amerikanischer Filmschauspieler, bekennender Buddhist.

Engagement für bedrohte ethnische Gruppen und für den internationalen Frieden.)

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Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du

Martin Buber

(1878 - 1965; österreichisch-israelischer jüdischer Religionsphilosoph)

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Musik produziert Mitgefühl für den anderen und nicht aggressives Verhalten: mit Vernunft dem anderen zu begegnen. Deshalb gibt es Freundschaft. Es ist die Akzeptanz des anderen ganz im Gegensatz zu egozentrischem Verhalten. Mit dem anderen zu teilen: die Musik ist der Ursprung dieser Gefühle, aber verhilft auch zur Heilung. Demnach vereint sie sowohl Soziales, Psychologisches und Spirituelles, sie vereint Orient und Okzident, alle Prinzipien, die das Zusammenleben ermöglichen und den gegenseitigen Respekt. Die Musik ist die notwendige Basis dieser Emotionen.

Rahmi Oruc Güvenc

(geb. 1948; türkischer Psychologe, Musiktherapeut, Musikethnologe / Institut Tümata, Istanbul)

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Wenn, wie es sich gehörte, die Musik den Menschen ein Allgemeingut wäre, gäbe es sicherlich weniger Aggression und viel mehr Gleichheit und Liebe auf der Welt; denn die Musik ist ja ein Verständigungsmittel, ein Versöhnungsstifter.

Hans Werner Henze

(1926 - 2012; deutscher Komponist)

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Hass auf niemanden, Nächstenliebe für alle

Abraham Lincoln

(1809 - 1865; amerikanischer Präsident in seiner Rede bei der zweiten Amtsvereidigung am 4. März 1865)

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Meine Herkunft ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Ich habe russisches, deutsches, spanisches, polnisches, italienisches, franzö-sisches und äthiopisches Blut in meinen Adern. Und ich habe erst mit über achtzig Jahren herausgefunden, dass auch jüdisches zu meinem Cocktail gehört. Ich sagte bereits, dass es keine bessere Apotheke gegen Vorurteile gibt als eine solch absurde Herkunft ...


... Vorurteile sind wie Marmorplatten, die unter sich ihre größten Rivalen, den Zweifel und die Wahrheit, begraben.

Sir Peter Ustinov

(1921 - 2004; brit. Dramatiker, Regisseur, Schauspieler, Schriftsteller)

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Rede, damit ich dich sehe!

Sokrates 

(469 - 399 v. Chr.; griech. Philosoph)

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Ich rate euch, nicht einer, sondern viele zu sein. Seid der Hausbesitzer und der Obdachlose, der Bauer und der Spatz, der das Samenkorn pickt, noch bevor die Erde es aufnimmt. Seid der Spender, der aus Dankbarkeit gibt, und der Empfänger, der stolz und in Anerkennung nimmt.

Khalil Gibran

(1883 - 1931; libanesisch-amerikanischer Maler, Dichter, Philosoph)

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Wir sind nicht unabhängige Einzelne, sondern voneinander abhängige Viele.

Jack Kornfield

(geb. 1945; amerikanischer Psychologe/Lehrer des Theravada-Buddhismus)

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Die Gemeinschaft in allen Dingen lässt uns zu Freunden werden. Weder Glück noch Unglück betrifft nur einen von uns. Wir leben füreinander. Unmöglich kann jemand ein glückliches Leben führen, der nur auf sich schaut und alles seinem Vorteil unterordnet. Für den anderen musst du sinnvoll leben, wenn du für dich sinnvoll leben willst.

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Wir sind für die Gemeinschaft geboren. Unsere Gemeinschaft gleicht einem Gewölbe aus Stein, das einstürzen würde, wenn sich die Steine nicht gegenseitig stützten und so das Gewölbe hielten.

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Dieselben Anfänge haben alle Menschen, denselben Ursprung; niemand ist vornehmer als ein anderer, außer wenn er sich durch eine aufrechtere und aufgrund guter Charaktereigenschaften bessere Gesinnung auszeichnet.

Lucius Annaeus Seneca

(ca 1 - 65 n. Chr.; römischer Philosoph)

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Keine noch so kluge Theorie, keine noch so ausgefeilte Kalkulation ersetzt die grundlegende Erfahrung der Menschen aller Kulturen und Religionen, dass der Mensch sich dem anderen erst dann wirklich zuwendet, wenn er mit ihm teilt. Wirklich vereint werden wir erst sein, wenn wir zu dieser Zuwendung bereit sind.

Richard von Weizsäcker

(1920 - 2015; sechster dt. Bundespräsident)

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Vom Volkssport Schnäppchenjagd bis hin zu den exhorbitanten Bonuszahlungen an Manager hat es sich in den letzten Jahrzehnten durchgesetzt, Menschen mit Geld zu motivieren. So einleuchtend diese Idee scheint, stieß sie doch schnell an ihre Grenzen ... Die vergangenen Krisen zeigten das Gegenteil: Bestärkt man jeden Einzelnen in seiner Gier, steigen weder das Wohlbefinden noch der Wohlstand aller. In Wirklichkeit funktioniert kein menschliches Zusammenleben ohne Selbstlosigkeit, und in Zukunft wird der Altruismus sogar noch wichtiger werden.

... Vielmehr wirkt Altruismus ansteckend. Schließlich gehört die große Mehrheit der Menschen zum Schlag des "Homo reciprocans": Sie erwidern, was sie erfahren ... Auch darum kann Hilfsbereitschaft nie vergebens sein. Unsere Beziehungen wirken wie ein Resonanzkörper - alles, was wir tun, wird in ihnen verstärkt. Wohlwollen bringt neue Akte des Wohlwollens hervor; das Vertrauen zwischen den Menschen nimmt zu ... Wer mit seiner Freigebigkeit experimentiert, hat nichts zu verlieren, doch viel zu gewinnen. Denn Selbstlosigkeit macht uns glücklich und verändert die Welt.

Stefan Klein

(geb. 1965; Wissenschaftsautor/Schriftsteller)

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Wer keine Zuwendung erfährt und keine schenkt, kann nicht wachsen, nicht blühen. In der Sprache der Politik heißt das: Solidarität. In der Sprache des Glaubens: Nächstenliebe. In den Gefühlen der Menschen: Liebe.

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Es gibt ein neues deutsches "Wir": 

Das ist die Einheit der Verschiedenen.

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Wer glaubt, das christliche Abendland mit der Herabsetzung Anderer, mit Ausgrenzung Andersgläubiger, mit Hassparolen und Säuberungsphantasien verteidigen zu sollen, hat es schon verraten. Klares Profil und entschiedenes Bekenntnis zur eigenen Tradition, zur eigenen Kultur, zur eigenen Religion sind vollkommen in Ordnung. Aber die wachsende Unbarmherzigkeit gerade auch von selbsternannten Verteidigern des "christlichen Abendlandes", die sich längst nicht mehr nur verbal äußert, die ist nicht akzeptabel ...

Zu unseren Werten gehört auch die Religionsfreiheit, die der säkulare Staat gewährt. Das ist eine der großen zivilen Errungenschaften der Geschichte. Sie gehört damit zu den nicht verhandelbaren Grundlagen unseres Zusammenlebens.

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Was  ... ist das  innere Band, das ein Einwanderungsland zusammenhält?  Was ist es, was uns verbindet und verbinden soll? In einer offenen Gesellschaft kommt es nicht darauf an, ob diese Gesellschaft ethnisch homogen ist, sondern ob sie eine gemeinsame Wertegrundlage hat. Es kommt nicht darauf an, woher jemand stammt, sondern wohin er gehen will, mit welcher politischen Ordnung er sich identifiziert.

Joachim Gauck

(geb. 1940; elfter dt. Bundespräsident)

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Was würde Jesus heute sagen?

Die politische Botschaft des Evangeliums/Bergpredigt, Mt 5, 1-10:


"Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich."


Mit anderen Worten heißt das: Euer Glück und eure Würde sind unantastbar, denn sie sind in Gott verankert. Und: Nicht der ist ein glücklicher und guter Mensch, der Ansehen hat, unfähig ist zu trauern, stärker ist als andere, Geld besitzt, Macht hat, über Rang und Titel verfügt, für seine Ziele über Leichen geht. Gerade umgekehrt ist es richtig. So würden wir es vielleicht heute formulieren:

Selig sind, die sich nicht überheben, die Mitleid haben mit Unglücklichen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen, die für den Frieden arbeiten, die barmherzig sind.

... Der Mensch, wie er geht und steht, ist der "eigentliche Mensch", in seiner Würde unantastbar, unabhängig von Rasse, Hautfarbe und Geschlecht.

Heiner Geißler

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Deutscher Bundestag stimmt für die Ehe für homosexuelle Paare (30.6.2017)


Für den Menschen gilt es, die Schöpfung zu bewahren. Daher ist die positive Entscheidung des Bundestages für die „Ehe für alle“ eine „konservative“  - lat. „conservare“: bewahren - und absolut notwendige Entscheidung: Jeder Mensch, als Teil dieser Schöpfung, muss uneingeschränkt so leben dürfen, wie ihn eben diese Schöpfung ausgestattet hat  - so würde Jesus von Nazareth heute argumentieren. Alles andere wäre mit der Würde des Menschen unvereinbar. Das „Vater, Mutter, Kind“ –Modell wird dadurch nicht entkräftet – die Gesellschaft wird lediglich um einige Modelle erweitert, die einer demokratischeren Gesellschaft Rechnung tragen.


Margarete Sorg-Rose

                                                                                 (geb. 1960; in diesem Sinne christlich-"konservative" und  heterosexuelle  Komponistin / Autorin)

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"Etiketten"


Eine homosexuelle Person gibt es ebensowenig wie eine heterosexuelle Person. Es handelt sich hier um Adjektive, die einen sexuellen Akt beschreiben und nicht Personen. Diese sexuellen Akte sind völlig natürlich; wären sie es nicht, würde sie niemand vollziehen ... Der Grund, warum noch niemand ein gutes Wort zur Beschreibung eines Homosexualisten (manchmal auch unter dem Namen Schwuler, Tunte usw. bekannt) vorgeschlagen hat, ist ein ganz einfacher: Ein solches Wesen existiert nicht. Die menschliche Rasse teilt sich in weibliche und männliche Exemplare. Viele Menschen genießen sexuelle Beziehungen zu ihrem eigenen Geschlecht und viele andere nicht. Viele sind für beide empfänglich. Die Vielfalt ist eine Sache unserer Natur; sich darüber zu erregen ist unsinnig.


Gore Vidal

(1925 - 2012; US-amerikanischer Schriftsteller, Drehbuchautor, Schauspieler, Politiker)

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Was ist Weltethos? 


Weltethos, das ist die Vision eines globalen Bewusstseinswandels im Ethos: Menschen – ob weltweit, national oder lokal – sind für ein friedliches Zusammenleben auf gemeinsame elementare ethische Werte, Maßstäbe und Haltungen angewiesen. Solche Werte finden sich in allen großen religiösen und philosophischen Traditionen der Menschheit. Sie müssen nicht neu erfunden, wohl aber den Menschen neu bewusst ge-macht, sie müssen gelebt und weitergegeben werden. Dafür braucht es:
• Dialog der Religionen und Kulturen, besonders das Wissen um Gemeinsamkeiten im Ethos.
• Kulturübergreifende Werteerziehung. Schon Kinder müssen lernen, dass friedliches Zusammenleben auf allen Ebenen vom Einhalten elementarer Regeln abhängt. Keine Gesellschaft kann ohne ein verbindendes Wertefundament funktionieren.
• Ethische und interkulturelle Kompetenz in Wirtschaftsunternehmen. Akteure im internationalen Wettbewerb sind mehr denn je auf kulturübergreifende Normen angewiesen. 
• In Recht und Ethos verankerte internationale Politik: statt militärischer Konfrontation, Kooperation, Integration.


Text: Stiftung Weltethos

www.weltethos.de


Das Weltethos-Programm geht zurück auf den in Tübingen wirkenden Schweizer Theologen Prof. Hans Küng und sein Buch "Projekt Weltethos" (1990). "Kein Friede zwischen den Nationen ohne Friede zwischen den Religionen" – dieser Satz bildet die Leitidee von Hans Küngs Arbeit. "Man kommt um die traurige Feststellung nicht herum: Religionen erscheinen im Übergang zum dritten Jahrtausend nicht nur als die großen Geburtshelfer des Weltethos, sondern als auch die großen Störer des Weltfriedens."

Hans Küng

(geb. 1928; Theologe)

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Ökumene


Ich, der Gefangene im Herrn, ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging. Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.

Neues Testament / Brief des Paulus an die Epheser 4

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Wenn es doch endlich einmal gelänge, in unserer Sprache ein Wort einzuführen, welches Denken und Fühlen nicht trennt. Ich habe es satt, mich immer für das eine und damit gegen das andere entscheiden zu müssen. Und wieviel Unglück ist erst dadurch entstanden, dass die Menschen auch danach gehandelt haben.

Hanna Johansen

(geb. 1939; Schriftstellerin)

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Mut zur Angst bedeutet, durch die Angst hindurch andere Formen der Identität ernsthaft wahrzunehmen, mit dem Fremden in wahrhaftigen Kontakt zu treten und die tiefe Freude an der Wandlung zuzulassen ... Warum habe ich denn zum Beispiel - und dazu muss ich kein Rechtsradikaler sein - Angst vor dem Ausländer? Antwort: Weil die türkische Frau oder der männliche Asylant aus Sri Lanka meine Identität, meine Glaubenssätze und Lebensvorstellung mit ihrer anderen Form von Lebendigkeit, Tradition und kulturellem Reichtum in Frage stellen.

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Wo wir unsere eigene Angst zulassen, vermeiden wir auch die Gefahr, aus verdrängter Angst heraus destruktiv zu werden oder uns selbst oder andere Menschen durch die Züchtung von Angst zu manipulieren. Was ist denn zum Beispiel die Ausländerhetze der Rechtsradikalen anderes, als aus der Angst vor Verlust der Arbeitsplätze, Wohnungen und Sozialleistungen heraus die Menschen auf einen Sündenbock zu hetzen? Jeder Fundamentalismus ist im letzten Kern der Zweifel an der eigenen Doktrin, der mit Aggression, Rechthaberei und Hass auf Abweichler kompensiert wird.

Mathias Jung

(geb. 1941; Philosoph, Gestalttherapeut)

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Erasmus von Rotterdam


Er wußte, was brücken wissen: Sie verbinden

über wasser, was unter wasser

verbunden ist


Doch das eine ufer war sumpf,

das andere feuer


Reiner Kunze

(geb. 1933;  Schriftsteller)

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Dem Hass begegnen lässt sich nur, indem man seine Einladung, sich ihm anzuverwandeln, ausschlägt. Wer dem Hass mit Hass begegnet, hat sich schon verformen lassen, hat sich schon jenem angenähert, von dem die Hassenden wollen, dass man es sei. Dem Hass begegnen lässt sich nur durch das, was dem Hassenden abgeht: genaues Beobachten, nicht nachlassendes Differenzieren und Selbstzweifel. Das verlangt, den Hass langsam in seine Bestandteile aufzulösen, ihn als akutes Gefühl von seinen ideologischen Voraussetzungen zu trennen und zu betrachten, wie er in einem spezifischen historischen, regionalen, kulturellen Kontext entsteht und operiert. 

Carolin Emcke

(geb. 1967; Publizistin, Philosophin. Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels 2016)

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Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen und wenn sie zu hassen lernen können, dann kann Ihnen auch gelehrt werden zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel natürlicher als ihr Gegenteil.


Nelson Mandela

(1918 - 2013; südafrikanischer Präsident und Anti-Apartheid-Kämpfer)

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Unversöhnlichkeit in der Politik


Es gehört zum Wesen der Rache, dass sie das eine Unrecht mit einem neuen, oft noch größeren Unrecht vergilt. Rache setzt keinen Schlussstrich unter eine Unrechtstat, sondern führt - wie etwa bei der Blutrache - zu einer sich immer weiterdrehenden Spirale der Gewalt.

Helga Hirsch 

(geb. 1948; Publizistin)

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Besser reden, reden, reden als schießen, schießen, schießen.


Shimon Peres (1923 - 2016; israelischer Politiker und Friedensnobelpreisträger)

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25 Jahre Fall der Berliner Mauer 9.11.2014


Beten wir, dass wir ... immer eine Kultur der Begegnung fördern können, die alle Mauern zum Einsturz bringen kann, die noch immer 

die Welt teilen. Wo es Mauern gibt, ist das Herz verschlossen. Wir brauchen Brücken, keine Mauern!

Papst Franziskus

(Bürgerlicher Name: Jorge Mario Bergoglio; geb. 1936)

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Papst Franziskus hielt im Apostolischen Palast im Vatikan während der Zeremonie zur Verleihung des Internationalen Karlspreises der Stadt Aachen 2016 an den Papst eine Rede (Ausschnitte):


Was ist mit dir los, humanistisches Europa, du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit? Was ist mit dir los, Europa, du Heimat von Dichtern, Philosophen, Künstlern, Musikern, Literaten? Was ist mit dir los, Europa, du Mutter von Völkern und Nationen, Mutter großer Männer und Frauen, die die Würde ihrer Brüder und Schwestern zu verteidigen und dafür ihr Leben hinzugeben wussten?

... Ich träume von einem Europa, das sich um das Kind kümmert, das dem Armen brüderlich beisteht und ebenso dem, der Aufnahme suchend kommt, weil er nichts mehr hat und um Hilfe bittet. Ich träume von einem Europa, das die Kranken und die alten Menschen anhört und ihnen Wertschätzung entgegenbringt, auf dass sie nicht zu unproduktiven Abfallsgegenständen herabgesetzt werden. Ich träume von einem Europa, in dem das Migrantsein kein Verbrechen ist, sondern vielmehr eine Einladung zu einem größeren Einsatz mit der Würde der ganzen menschlichen Person.

… Ich träume von einem Europa, das die Rechte des Einzelnen fördert und schützt, ohne die Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft außer Acht zu lassen. Ich träume von einem Europa, von dem man nicht sagen kann, dass sein Einsatz für die Menschenrechte an letzter Stelle seiner Visionen stand.

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                                        aquis submersus

                                        (ertrunken)


                                              Meer von Tränen

                                              beweint die Toten

           

                                                                      mare nostrum


                                              Flut von Verzweiflung

                                              überströmt die Lebenden


                                                                      morituri


                                              unzählige flüchtende Boote


                                              doch 

                                              wo ist

                                              die Arche Noah


Margarete Sorg-Rose

(anlässlich des Ertrinkens unzähliger (Kriegs-)Flüchtlinge 

aus Afrika/Syrien/Irak auf dem Mittelmeer seit 2015)

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In tiefster Seele hege ich die Vermutung, dass es bei jenem "Es werde", das aus dem Nichts den Kosmos hervorrief, auf den Menschen abgesehen war und dass mit ihm ein großer Versuch angestellt ist, dessen Misslingen durch Menschenschuld dem Misslingen der Schöpfung selbst, ihrer Widerlegung gleichkäme. Möge es so sein oder nicht sein - es wäre gut, wenn der Mensch sich so benähme, als wäre es so.

Thomas Mann 

(1875 - 1955; dt. Schriftsteller)

Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

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Die Pflicht gegen sich selbst besteht darin, dass der Mensch die Würde der Menschheit in seiner eigenen Person bewahre.


Immanuel Kant

(1724 - 1804; dt. Philosoph)

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Homo sum, humani nihil a me alienum puto


Ich bin ein Mensch: nichts Menschliches, glaube ich, ist mir fremd


Publius Terentius Afer

(ca. 190 - 159 v. Chr.; röm. Komödiendichter)



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