(2011)

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Margarete Sorg-Rose
KOMPONISTIN und AUTORIN / COMPOSER and AUTHOR 

Biographische Portraits


Klarheit und Transparenz


- Margarete Sorg-Rose zum 55. Geburtstag -


Im April 2015 konnte die Komponistin Margarete Sorg-Rose ihren 55. Geburtstag begehen - Anlass für eine biografische Kurzbetrachtung und Würdigung.

Bereits in jungen Jahren instinktiv einen Weg zwischen modernistischen Eskapaden und Anpassung an das Gewohnheitsmäßig-Gefällige suchend, ist sie konsequent bei ihrer Bindung an die Tradition als Grundlage ihres kompositorischen Schaffens geblieben. Ihre Vita zeigt in Rückschau beeindruckend auf, mit welcher Vielseitigkeit einerseits und beharrlichen Zielstrebigkeit andererseits sie ihre einstige umfassende Ausbildung bis hin zur eigenständigen Meisterschaft vervollkommnet hat: Notenausschnitte ihrer Vokal-, Kammermusik- und Orchester-Kompositionen in diversen Publikationen dokumentieren nicht nur handwerkliches Können und kunstvolle Tonsatz-Architektur, sondern auch die dynamische Individualität ihrer musikalischen Erfindung und die Melodik der von ihr geschaffenen Klangstrukturen, geprägt von Klarheit und Transparenz, Spannung und Entspannung ausbalancierend – stets in dem Bemühen, Tonkombinationen und Klangfarben von Werk zu Werk neu zu entwerfen, um Wiederholungen zu vermeiden. Ihre Musik umfasst emotional eine weit umspannende Amplitude: von Witz und Heiterkeit bis hin zu dunkler Melancholie. Dabei ist sie stets um Authentizität bemüht.

Ein Schwerpunkt ihres Schaffens stellt die intensive Beschäftigung mit Dichtung und Sprache dar, wobei die altgriechische Literatur eine wichtige Rolle spielt. Sie versucht Sprache in ihrem wahren, musikalischen Sein zu erfassen und sie nicht nur als intellektuelles Instrumentarium zu begreifen, dabei auch bemüht, sich in den zu vertonenden Text intensiv hineinzufühlen und diese Empathie durch die Komposition auf den Hörer zu übertragen. Nach ihrer Auffassung kann und muss die Musik ein verbindendes, Brücken bauendes Element unter den Men-schen sein, gerade in einer Gesellschaft, in der Hass und Intoleranz wieder in erschreckendem Maße um sich greife.

Portraitfotos in Publikationen strahlen für den aufmerksameren Betrachter etwas von der seltenen Geschlossenheit und der wachen Kraft ihrer philosophisch nachdenklichen Persönlichkeit aus. Man braucht ihr nur flüchtig zu begegnen, und man spürt eine ungewöhnliche Persönlichkeit mit einem warmen Herzen und einer großen Lebens-Leidenschaft und -Kraft, die auch Schweres erträgt - dabei stets beherzt, bodenständig und humorvoll bleibend.

                                                                           KHa / Frankfurt am Main (2015)

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"Bereit zum Abschied sein und Neubeginne"


- Ein Leben in äußerer und innerer Wanderschaft -

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Portrait der Komponistin Margarete Sorg-Rose



... ideo nulli loco addicere debemus animum. Cum hac persuasione vivendum est: non sum uni angulo natus, patria mea totus hic mundus est.*

... daher dürfen wir keinem Ort unsere Seele zusprechen. Mit folgender Überzeugung muss man leben: "Ich bin nicht nur für einen Winkel geboren, meine Heimat ist die ganze Welt."*

Lucius Annaeus Seneca

(aus den Briefen an Lucilius)

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Wir alle sind Pilger auf dem Weg ins Unbekannte.

Paulo Coelho

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Margarete Sorg-Rose wurde am 11. April 1960 in Remscheid geboren. Kurz danach übersiedelte die Familie nach Mainz, wo Margarete aufwuchs und bis zum Studium ihre grundlegende Ausbildung erhielt. Das elterliche Erbe prägte ihren Lebensweg auf unterschiedliche und vielfältige Weise. Die protestantische und sozialdemokratisch erzogene, warmherzige Mutter stammte aus einer bäuerlichen und handwerklich begabten Familie, in der man sich für alles Kunsthandwerkliche und Künstlerische interessierte. Vom Wesen her durch und durch bodenständig, enga-gierte sie sich - nach der Ausbildung zur Bürokauffrau und Tätigkeit im sozialen Dienst - später beruflich als Schriftstellerin auch für Bildende Kunst, Musik, Schauspiel, Tanz und Kabarett. Der naturwissenschaftlich und humanistisch gebildete, sportbegeisterte Vater, ein engagierter Mediziner, kam aus einer Lehrerfamilie, in der man katholisch war und christdemokratisch dachte. Er war durchdrungen von geradezu preußischer Strenge und Disziplin, die er auch von seiner Familie erwarte. Der Vater setzte sich durch: Margarete wurde katholisch getauft und erzogen.

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Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig und stark! Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe!

Bibel (NT) / 1 Kor 16,13

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Beides - künstlerische Phantasie und soziales Engagement seitens der Mutter, ausgeprägt analytische Fähigkeiten und konservative, primär leistungsbezogene Grund- und Erwartungshaltung seitens des Vaters - sollte ihre Entwicklung und den späteren beruflichen Werdegang ent-scheidend beeinflussen.

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Nicht ich habe meine Eltern wählend bestimmt. In einem absoluten Sinn sind sie die meinigen. Ich kann sie, wenn ich etwa möchte, nicht ignorieren, ihr Wesen, selbst wenn es fremd erscheinen sollte, steht zu meinem in inniger Gemeinschaft ... Was auch geschieht, es bleibt die Liebe zu ihnen, selbst dann, wenn die Situation zwingt, auf Kommunikation zu verzichten.

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Stets gegenwärtige Treue gegen die Eltern ist ein Element meines Selbstbewusstseins. Ich kann mich selbst nicht lieben, ohne meine Eltern zu lieben. Bringt die Zeit in neuen Situationen mit ihnen Konflikte, so ist das Äußerste, dass sich Treue umsetzt in Pietät als die Alltagsform zur Sicherung der Treue, die in ihrer Tiefe nicht jedenAugenblick vollzogen werden, aber als Bereitschaft gegenwärtig bleiben kann.

Karl Jaspers

                                                                     Philosophie II. Existenzerhellung

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Die Komponistin hat also viele unterschiedliche Begabungen mitbekommen, die sie als einen großen inneren Reichtum dankbar begriff. Andererseits spürte sie in ihrer Jugend aber auch viel Gegensätzliches in sich: "Ich bin im geistigen Spannungsfeld politisch und konfessionell unterschiedlicher Diskussionen groß geworden. Es hat daher lange gedauert, bis ich meine eigenen Positionen gefunden habe, bis es mir gelang, innere Gegensätze zu vereinen. Andererseits führte diese jugendliche Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Standpunkten dazu, dass ich bis heute versuche, immer das Gegenargument zu ver-stehen - audiatur et altera pars! - und Gegensätzliches zu verbinden; ich könnte daher weder politisch noch konfessionell auf irgendeine Weise fanatisch werden, ebenso wenig in anderen Bereichen - dafür habe ich gelernt, mich leidenschaftlich zu engagieren und mich für eine Überzeugung mit Kopf und Herz einzusetzen. Und ich bin zum 'Grenzgänger' geworden. Auch dafür bin ich meinen Eltern dankbar."

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Eure Kinder sind nicht e u r e Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Sie kommen durch euch, aber nicht von euch. Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht. Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, denn sie haben ihre eigenen Gedanken. Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen, denn ihre Seelen wohnen im Haus der Zukunft, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen. Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen. Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern. Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden. Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und er spannt euch mit seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen. Lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein. Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist. 

Khalil Gibran

                                                                                         Der Prophet

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Die außergewöhnliche musikalische Begabung wurde von den Eltern schon früh erkannt. Das Kind reagierte fasziniert und hochsensibel auf alles Klingende, merkte sich Tonfolgen und Melodien schnell und verfügte bereits im Alter von vier Jahren über ein kleines Repertoire an Opernarien und Musical-Melodien, die es vom heimischen Radiogerät aufgeschnappt hatte und bei jeder Gelegenheit gern vor sich hin sang. Als Fünfjährige erhielt Margarete ihren ersten Klavierunterricht. Nun konnte sie erstmals kleine Melodien, die sie singend erfunden -"komponiert" - hatte, am Instrument ausprobieren und weiterentwickeln. Gleichzeitig wurde sie Mitglied des Kinderchores der Kantorei der Mainzer Christuskirche unter der Leitung von Prof. Diethard Hellmann, der dort den heute international bekannten Mainzer Bachchor aufbaute und die Leipziger Bach-Tradition vor Ort weiterpflegte.

Schon kurze Zeit später "beförderte" er sie in die Kurrende des Bachchores und ließ sie im Alter von neun Jahren die Bach'sche Matthäus-Passion mitsingen - ein Erlebnis, das sie entscheidend geprägt hat:

"Als ich in der großen Kirche auf der Konzertempore stand, als einziges Kind im Bachchor zwischen den Erwachsenen, im Sopran diese mehrstündige Passion mitsingen und dabei zum ersten Mal auch das Bach-

Orchester live erleben durfte, spürte ich erstmalig, völlig überwältigt von dem einzigartigen Klangerlebnis, 'Räumlichkeit' von Musik, was bis heute meine Vorliebe für Chor- und Orchesterwerke begründet."

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J. S. Bach


Aus der Seele Erinnerung

lässt sicheres Ahnen

die Musik

Gott

erstreben

ertasten

sprengend über sich

hinausweisend

ihn umfangen

mit ihm

als Urgrund

wieder

verschmelzen

in

Harmonie

                                                           Margarete Sorg-Rose

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Mit der Mutter besuchte sie ein wenig später einen Konzertabend der Mainzer Liedertafel - Programm: Schuberts Winterreise, interpretiert von Bariton Hermann Prey. Dieses Erlebnis prägte sie auf ähnliche Weise, sodass sie bis heute die musikalische Gattung "Lied" leidenschaftlich liebt: "Die menschliche Stimme ist für mich das schönste Instrument", erklärt sie. Aufgrund dieser musikalischen Kindheitserfahrungen ist Vokalmusik in jeder Form ein Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens geworden. Als das "wichtigste Buch" ihrer Kindheit bezeichnet die Komponistin die musikpädagogische Publikation Leonard Bernsteins Konzert für junge Leute.

Die Mutter brachte ihr auch das Theater nahe. Der Besuch einer Premiere von Goethes Faust versetzte Margarete derart in Begeisterung, dass das Kind begann, Goethes Werk seitenweise auswendig zu lernen. Außerdem verfolgte es im damals gerade aufkommenden Schwarzweiß-Fernsehgerät nicht nur Konzertaufführungen, sondern mit Vorliebe auch jede Form tänzerischer Darbietung - vom Klassischen Ballett bis hin zu lateinamerikanischen Standardtänzen, Showtanz und zum Eiskunstlauf, himmelte Fred Astaire, Gene Kelly (Musicals wie Brigadoon, Ein Amerikaner in Paris) und Dick van Dyke an - letzteren besonders in seiner Rolle als singender und tanzender Schornsteinfeger Bert im Musical Mary Poppins 1964. Die Eltern förderten ihre Interessen, achteten jedoch genau darauf, dass Margarete noch eine "Kindheit" hatte.

Später besuchte sie das Mainzer humanistische Gymnasium, lernte die lateinische und altgriechische Sprache und entdeckte die Welt der Antike für sich: "Besonders die sophokleischen Tragödien begleiten mich heute noch. Das intensive Übersetzungstraining, zu dem die Beschäftigung mit den alten Sprachen in besonders hohem Maße zwingt, befähigt außerdem, ohne Umschweife 'auf den Punkt' zu kommen. sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, was sich im Leben auch auf andere Bereiche auswirkt."

Dieser Ausbildung habe sie beispielsweise die Präzision ihres journalistischen Stils zu verdanken - das stete Bedürfnis, unermüdlich am Text zu feilen, bis dieser klar, eindeutig und unmissverständlich "sitzt". Die Schule weckte zudem ihr bis heute waches Interesse an Physik. Die pianistische Ausbildung, ebenso die stimmliche im Bachchor, vernachlässigte sie während ihrer Gymnasialzeit nicht und verehrte besonders den chilenischen Pianisten Claudio Arrau.  Weitere kleine Kompositionen entstanden. Ballett-Unterricht kam hinzu.

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Junger Interpret


Zwischen den tasten wuchsen ihm veilchen

und er trennte sich von ihr

So streng feilt er am lauf seiner finger

wie an einem schlüssel

Einmal aber wird er nicht weiterwissen

obwohl er die noten weiß und nichts ihn ablenkt,

                                                nicht einmal

ein duft

Er wird zu ahnen beginnen

daß der schlüssel zu letzter einfachheit

unendliche nähe ist

Ohne Anna Magdalena

kein Notenbüchlein

                                                                                          Reiner Kunze

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Als Sechzehnjährige entdeckte sie ein wegweisendes Buch für sich: Eugen Herrigels Klassiker ZEN in der Kunst des Bogenschießens

"Bei dieser japanischen Kunst geht es nicht nur um ein Hantieren mit Pfeil und Bogen. Es geht um das Wesen jeder Meisterung einer Technik, jeder künstlerischen Gestaltung, um den Angelpunkt jeder von Spiri-tualität getragenen Lebenspraxis - um die Kunst des Lebens an sich. Die Lektüre dieses Buches eröffnete mir völlig neue Aspekte für mich und mein künstlerisches Tun."

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Sie können auch nicht anders, als es geschehen lassen. Sie lassen es entstehen. Man tut nichts. Man sieht aber zu, dass nichts diese wunderbare Entstehung behindern könnte. Man ist unglaublich aktiv und in der gleichen Zeit unglaublich passiv. Man will nichts. Man lässt es entstehen.

Der Dirigent Sergiu Celibidache über die Entstehung von Kreativität in der Musik

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Nach dem Abitur nahm sie 1979 das Studium der Fächer Lateinische und Altgriechische Philologie, Theologie sowie Musikwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz auf, führte ihre Studien ein Jahr später an der Eberhard Karls-Universität Tübingen fort, wo sie im Chor und Orchester des Collegium musicum der Universität - damals unter der Leitung von Universitätsmusikdirektor Prof. Dr. Alexander Sumski - kontinuierlich weitermusizierte und wesentliche künstlerische Impulse erhielt. Aus dieser Zeit stammen auch ihre ersten literarischen Veröffentlichungen.

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Trauerweide


Sehnsucht,

in weit ausgreifenden

Zweigen verborgen,

seufzt -

das stete Licht ahnend

sinkt sie

nieder,

die lockende Erde

der Nacht

zu streifen

                                                  Margarete Sorg-Rose

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Credo an einem guten Morgen


                                                ... die im herzen barfuß sind

                                                                                 (Jan Skácel)


Wenn du ein gedicht schreibst, im herzen also

barfuß bist,

meide die plätze, an denen

etwas in dir zerbrach

das moos

ist den scherben nicht gewachsen

es gibt ihn, den 

vers ohne wunde

                                                                                                 Reiner Kunze

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Lassen Sie Ihren Urteilen die eigene stille, ungestörte Entwicklung, die, wie jeder Fortschritt, tief aus innen kommen muß und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann. Alles ist austragen und dann gebären. Jeden Eindruck und jeden Keim eines Gefühls ganz in sich, im Dunkel, im Unsagbaren, Unbewußten, dem eigenen Verstande Unerreichbaren sich vollenden lassen und mit tiefer Demut und Geduld die Stunde der Niederkunft einer neuen Klarheit abwarten; das allein heißt künstlerisch leben: im Verstehen wie im Schaffen. Da gibt es kein Messen mit der Zeit; da gilt kein Jahr; und zehn Jahre sind nichts, Künstler sein heißt: nicht rechnen und zählen; reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht ohne die Angst, daß dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch. Aber er kommt nur zu den Geduldigen, die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge, so sorglos still und weit. Ich lerne es täglich, lerne es unter Schmerzen, denen ich dankbar bin: Geduld ist alles!

Rainer Maria Rilke

Briefe an einen jungen Dichter

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Apfel für M.R.-R.


Höchste zeit kommt von innen


Höchste zeit ist, wenn die kerne

schön schwarz sind


Und das weiß zuerst

der baum


                                              Reiner Kunze


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Es folgte das Studium der Fächer Klavierpädagogik und Chorleitung in Mainz (Examen 1985). Als junge Komponistin trat sie bereits 1983 mit ihren eigenen Kompositionen regelmäßig an die Öffentlichkeit - Unterricht im Fach Komposition erhielt sie bei Volker David Kirchner. Außerdem lernte sie weitere Instrumente (Klarinette, Cello, Schlagzeug, Orgel) und schnupperte für ein Semester in den für Sänger verpflichtenden Schauspielunterricht der Opernklasse des ausbildenden Musikinstituts hinein: "Ich wollte mal ein Gefühl für das professionelle Spielen auf der Bühne bekommen" (bereits auf dem Gymnasium war sie Mitglied einer Schüler-Theatergruppe).

In dieser Zeit nahm sie aktiv teil an den Sommerkursen der Stuttgarter Sommerakademie Johann Sebastian Bach und an den von Prof. Sergiu Celibidache geleiteten Kursen Musikalische Phänomenologie (mit Diri-gentenpraktikum) in Mainz. Außerdem arbeitete sie dort als wissenschaftliche Hilfskraft am musikwissenschaftlichen Institut, als Korrepetitorin beim Mainzer Bachchor und fachliche Assistentin bei Musik-produktionen des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF), wo sie ihren Blick für das Visuelle schärfte; für die Wuppertaler Bühnen war sie musikdramaturgisch, für den Mainzer Musikverlag B. Schott's Söhne journalistisch tätig: "Es war damals schon schwierig, auch bei bester Qualifikation eine adäquate Dauerstelle zu bekommen", berichtet sie. "Man erhielt bestenfalls zeitlich befristete, projekt-gebundene Verträge. Meine Vielseitigkeit, die ich immer gepflegt habe, ermöglichte es mir, flexibel auf die unterschiedlichsten Tätigkeitsbereiche zu reagieren."

Um sich nebenbei etwas dazuzuverdienen, jobbte sie auch im Sport- und Fitness-Bereich, nachdem sie bereits eine Trainerausbildung mit staatlich geprüftem Abschluss erfolgreich absolviert hatte.

Margarete Sorg-Rose konzentrierte sich zunehmend auf ihre kompositorische Tätigkeit und bewarb sich, dem Rat ihres Lehrers Volker David Kirchner folgend, zum weiterführenden Studium bei Hans Werner Henze, der damals eine Professur für Komposition an der Hochschule für Musik Köln innehatte. Der große Meister der Zeitgenössischen Musik nahm sie in seine kleine, nach strengen Maßstäben ausgewählte Meisterklasse auf ("Ihre Musik interessiert mich", schrieb er ihr auf ihre Bewerbung hin), und 1994 erhielt sie das Diplom für Komposition der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

Seitdem ist Margarete Sorg-Rose als Komponistin hauptberuflich und freischaffend tätig, erfuhr Präsentationen u.a. im Rahmen nationaler und internationaler Musikfestivals, ebenfalls durch den Westdeutschen Rundfunk (WDR) und Südwestrundfunk (SWR); ihre Werke sind mehrfach ausgezeichnet worden. Daneben lektorierte sie projektbezogen für mehrere Verlage und war als Jurorin für international ausgeschriebene Literaturwettbewerbe tätig.  Aktuell arbeitet sie auch an ihrer musikwissenschaftlichen Dissertation über das musikdramatische Schaffen Hans Werner Henzes.

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Ein Buch ist wie eine Rose:

Beim Betrachten der Blätter

öffnet sich dem Leser das Herz.

                                                               Persisches Sprichwort

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Das Buch ist wie der Löffel, der Hammer, das Rad oder die Schere. Sind diese Dinge erst einmal erfunden, lässt sich Besseres nicht machen.

Umberto Eco

Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.

                                                                                                            Franz Kafka

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M. Sorg-Rose 1993 anlässlich der Verleihung des internationalen Johann-Wenzel-Stamitz-Preises / Förderungspreis für Komposition in der tschechischen Republik. 

In der Mitte Hauptpreisträger Prof. Petr Eben (Komponist) aus Prag, daneben Prof. Peter Richter de Rangenier (Komponist; Österreich), der die Ehrengabe zum Stamitz Preis erhielt.


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Wie ihre Biografie bisher zeigt, ist Margarete Sorg-Rose die Gratwanderung gelungen, ihrer Vielseitigkeit zu entsprechen und dennoch den "roten Faden" ihres Lebens, ihr kompositorisches Schaffen, unablässig weiterzuspinnen. Sorg-Rose ist davon überzeugt, dass es wichtig ist, sich künstlerisch nach möglichst vielen Seiten zu öffnen - diese Einflüsse fielen auf die zu komponierende Musik zurück und würden von dieser reflektiert. Insbesondere die Tanzkunst, die sie privat als Sport zum Ausgleich praktiziert, fasziniert sie wegen des körperlichen Ausdrucks, der für diese Kunst charakteristisch ist (zumal Musik für sie ebenfalls etwas ausgesprochen "Körperliches" hat):

"Bevor man im Tanz überhaupt erst schöpferisch tätig werden, sich 'ausdrücken' kann, müssen schwere technische Voraussetzungen geschaffen werden, die langjähriges eisernes und diszipliniertes Körper-training erfordern - ein 'Gefühl´ für Musik gehört ebenfalls untrennbar mit dazu."

Sie beschäftigt sich auch mit außereuropäischen Musikkulturen (Musikethnologie) und mit dem Phänomen des musizierenden Menschen (Musikanthropologie), liebt privat Jazz, Filmmusik und Musicals, schätzt auch einige profilierte Rock- und Pop-Künstler. Hört man ihre eigene Musik, so drängen sich dem Hörer oft Bilder und Farben auf: Wasser, Landschaft, die transparent kühlen Farben des Nordens, von dem ihr eigenes Wesen elementar geprägt ist. Gut vorstellbar, dass von Sorg-Rose einmal eine Filmmusik zu hören sein wird. Die ausgesprochen jugendlich, weltoffen-aufgeschlossen und fröhlich wirkende und sportbegeisterte Komponistin engagiert sich außerdem politisch, setzt sich für den Tierschutz und für Kinder in Armut ein. Ihre innere Kraft bezieht sie aus der Spiritualität ihres tiefen christlichen Glaubens, der ihr bisher auch half, schwere private Schicksalsschläge zu verarbeiten.

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weinen hat seine Zeit

lachen hat seine Zeit

klagen hat seine Zeit

tanzen hat seine Zeit


                                               Bibel (AT)/ Prediger Salomo, Kap. 3,4

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Es ist meine Überzeugung, mein Sieg über die Welt, dass ein Mensch, der die Bitterkeit der Verzweiflung noch nicht geschmeckt hat, die Bedeutung des Lebens verfehlt hat.

                                                                              Sören Kierkegaard

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Seneca und Plato mache dir zu Hausgenossen; wenn sie mit dir reden, dann lassen sie dich nicht in niedergeschlagener Stimmung.


Erasmus von Rotterdam

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Nimm dein zerbrochenes Herz und mache Kunst daraus

Carrie Fisher

(US-amerikanische Schauspielerin und Autorin)

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Die langjährige Wanderschaft hat sie über verschiedene Lebensstationen geführt, die ihre künstlerische Entwicklung geprägt und es ihr ermöglicht haben, sich immer wieder neuen Einflüssen zu öffnen und diese in ihre Erfahrungen zu integrieren, dabei unnötigen Ballast über Bord zu werfen.

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Leere dein Boot, Suchender, und du wirst geschwinder reisen.

Buddha, Dhammapada

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Sage nicht mein.

Es ist dir alles geliehen.

Lebe auf Zeit und sieh,

Wie wenig du brauchst.

Richte Dich ein.

Und halte den Koffer bereit.


                                                      Mascha Kaléko

                                                      aus dem Gedicht "Rezept"

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So hat sie sich innere Unabhängigkeit von materiellen Dingen bewahrt und pflegt eine karge Lebensweise. "Übertriebener Konsum lenkt vom Wesentlichen des Lebens ab", meint sie. "Ich hänge mein Herz an Menschen, nicht an Dinge. Wichtig ist, für menschliche Begegnungen offen zu sein und zu bleiben, ständig dazuzulernen und sich weiterzuentwickeln, flexibel zu bleiben, immer wieder neu zu suchen, nie zu stagnieren."

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Denn nichts anderes tue ich, als dass ich umhergehe, um Jung und Alt unter euch zu überreden, ja nicht für den Leib und für das Vermögen noch überall so sehr zu sorgen als für die Seele, dass diese aufs Beste gedeihe. Indem ich zeige, wie nicht aus dem Reichtum die Tugend entsteht, sondern aus der Tugend der Reichtum und alle anderen Güter insgesamt, private und gemeinschaftliche.

Platon

Apologie (Verteidigungsrede) des Sokrates

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Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?


Bibel (NT) / Matthäus 16,26

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So ist auch das Gedicht Stufen von Hermann Hesse, das sie seit ihrer Jugend begleitet, für sie zu einem Lebens-Leitfaden, einem "Motto" geworden:


Wie jede Blüte welkt und jede Jugend dem Alter weicht,

Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

In andre, neue Bindungen zu geben.*


Wahrheit nicht als Endzustand, sondern als ein Prozess, der immer wieder neu überdacht werden muss - der Mensch "häutet" sich mehrmals (auch wenn das Abnabeln von einer Phase und Eintreten in die neue durchaus schmerzlich und schwierig sein kann - im Leben und im Verlauf einer künstlerischen Entwicklung) und erfährt dadurch nicht die Wahrheit, sondern, sukzessive, mehrere Wahrheiten - so ihre eigene Erfahrung im Dauerprozess der persönlichen und künstlerischen Selbstfindung.


A. Bergström

Oslo / Norwegen, Frühjahr 2010


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Man darf das Schiff nicht an einen einzigen Anker und das Leben nicht an eine einzige Hoffnung binden.


Epiktet (50-138; griechischer Philosoph)

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Man muß weggehen können

und doch sein wie ein Baum

als bliebe die Wurzel im Boden

als zöge die Landschaft

und wir ständen fest

                                                               Hilde Domin

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Ithaka


von Konstantinos Cavafis (1863-1933)

(aus dem Griechischen übertragen von Jörg Schäfer)


Und brichst du auf nach Ithaka,

bitte darum, der Weg sei weit,

von Abenteuern voll und von Erkenntnissen.

Die Lästrygonen und Zyklopen,

den zornigen Poseidon fürchte nicht.

Dergleichen findest du auf deinem Wege nie,

wenn dein Denken hoch, und wenn erlesenes

Gefühl an Geist und Leib dir rühren.

Den Lästrygonen und Zyklopen, dem ungebärdigen Poseidon

wirst du nicht begegnen, wenn du

sie nicht in deiner Seele mit dir trägst, wenn

deine Seele sie nicht vor dich hinstellt.


Bitte darum, der Weg sei weit.

Viele seien es der Sommermorgen,

wo du einfährst - so froh im Herzen,

mit welcher Freude - in nie gesehene Häfen;

anhalten sollst du bei der Phönizier Faktoreien,

sollst ihre feinen Waren kaufen,

Perlmutt, Korallenschmuck und Ebenholz,

erregendes Parfüm von jeder Art,

reichlich, soviel du kannst, erregendes Parfüm;

und in Ägypten geh' in viele Städte,

daß du lernst und lernst von den Gelehrten.


Immer behalte Ithaka in deinem Sinn.

Dort anzukommen, ist dein Ziel.

Doch keinesfalls beeil' dich auf der Reise.

Besser, daß sie viele Jahre währt;

Und erst, wenn du alt geworden, lande

auf der Insel, reich an allem,

was du unterwegs erworben hast, und

hoffe nicht, daß Ithaka dir Reichtum schenkt.

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Mach dir überhaupt die Vergänglichkeit des menschlichen Daseins recht klar! Gestern Träger des Lebens, morgen Mumie und Asche! Durchwandere also diese kurze Spanne Zeit nach den Gesetzen alles natürlichen Lebens und gehe heiteren Gemütes von dannen, der Olive gleich, die vom Baume fällt, wenn sie reif geworden ist, und noch im Sterben die Mutter Erde preist und dem Baume dankt, der sie getragen hat.

Marc Aurel

(121-180 n. Chr.; römischer Kaiser und stoischer Philosoph)

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*Herrmann Hesse (1877-1962), Gedicht "Stufen" / Ausschnitt.

Die farblich abgegrenzten Gedichte / Zitate (blau) sind von der Komponistin nachträglich in das biografische Portrait eingefügt worden.

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sci vias


wisse die wege


(Hildegard von Bingen)

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Pablo Picasso, Drei Tänzer / Three Dancers

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Ich tanze, solange meine Musik spielt